Meine Erlebnisse
Ein Dackel? Da hat mein jetziges Frauchen Anika nicht schlecht gestaunt, als Herrchen Heiner bei ihrem Kennenlernen damals sagte, er möchte irgendwann wieder einen Dackel haben. Mein Frauchen hatte zu diesem Zeitpunkt schon seit über 4 Jahren ihre Weiße Schäferhündin Ronja und hatte sich als Zweithund zwar etwas Kleineres gewünscht, aber ganz bestimmt keinen Dackel. Herrchens Familie hatte früher immer Dackel, meistens mehrere gleichzeitig. Sie haben sogar unter dem Namen "von der Drachenschlucht" Zwergrauhhaardackel gezüchtet. Herrchen hat dann irgendwann meinem Frauchen die alten Fotos gezeigt. Frauchen war ziemlich erstaunt, da einige der Dackel, so auch Herrchens damalige Lieblingshündin "Daisy", eine Farbe hatten, die Frauchen noch nie bei einem Rauhhaardackel gesehen hat. Diese seltene Farbe nennt sich "dürrlaub" oder auch "rot". Das gefiel Frauchen sehr gut und sie sagte, wenn wir irgendwann doch einen Dackel anschaffen sollten, dann einen in dieser Farbe!
In den darauffolgenden zwei Jahren las Frauchen ganz viel über meine Rasse, meldet sich sogar in einem Dackelforum an und begab sich auf die Züchtersuche. Letzteres war allerdings eine schwierige Sache, da es in Deutschland nicht so viele Züchter gibt, die rote Rauhhaardackel in Standardgröße züchten (Frauchen wollte keinen Zwergdackel, sondern einen in "Normalgröße"). Schließlich wurde sie in Dänemark fündig. Der Kennel Marrondale hat schon viele wunderschöne Welpen hervorgebracht, so z.B. meinen Halbbruder "Trigger", der im Zwinger vom Goldgrund in Hagen lebt.
Am 6.9.2009 wurden meine 7 Geschwister und ich geboren. Als ich 6 Wochen alt war, sah ich zum ersten Mal meine neue Familie. Sie begaben sich auf den langen Weg, um mich in Dänemarks hohem Norden zu besuchen. Natürlich waren sie begeistert von mir, weil ich so offen auf sie zulief und auf ihren Schoß krabbeln wollte. Sie flüsterten mir ins Ohr, dass sie mich in 2 Wochen abholen würden.
Zwei Wochen später war es soweit: Frauchen und Herrchen waren wieder da und nahmen mich mit in so einem komischen, lauten Ding, das sie Auto nennen. Ich hatte natürlich überhaupt keine Angst, ganz im Gegenteil: ich fand es total spannend, auf Frauchens Schoß zu sitzen und die Landschaft vorbeifliegen zu sehen. Am Morgen hatte ich wohl etwas zuviel getrunken. Wir mussten jede Stunde anhalten, damit ich Pipi machen konnte. Auf den Raststätten waren natürlich alle Menschen begeistert von mir, weil ich so niedlich und klein war (naja, niedlich bin ich immer noch, nur nicht mehr klein).
Nach unzähligen Stunden waren wir endlich da. In meinem neuen Zuhause lernte ich meine neue Freundin Ronja kennen, die auch zu Herrchen und Frauchen gehört. Im Schlafzimmer erspähte ich neben dem Bett eine komische Kiste, in die ich mich erst einmal für ein kleines Nickerchen verzog. Dass ich darin jedoch auch die Nacht verbringen sollte, fand ich dann gar nicht lustig!!! Wo waren Mama und meine Geschwister? Warum durfte ich nicht mit ins Bett? Ich habe erst einmal alles gegeben und aus Leibeskräften geschrien. Frechheit, sie reagierten einfach nicht auf mein Jaulen. Dabei gab ich mir Mühe, besonders herzzerreißend zu klingen. Nach 25 Minuten hatte ich die Nase voll und legte mich aufs Ohr. Ich habe dann durchgeschlafen bis zum nächsten Morgen.
Meine ersten Wochen im neuen Zuhause
In der darauffolgenden Nacht probierte ich es noch einmal mit Jammern. Da die gemeinen Sturköpfe wieder nicht reagierten und mich ins Bett holten, gab ich es auf. Eigentlich ist die Box ja gar nicht so schlecht. Frauchen legt mir immer tolle Spiel- und Knabbersachen hinein. Mittlerweile gehe ich sehr gerne in die Box und halte dort auch oft mein Mittagsschläfchen. Ah, ich merke gerade, wie ich abschweife. Wo war ich? Ach ja, meine ersten Wochen im neuen Zuhause...
Den komischen Müslifraß, den uns meine Züchterin mitgeben hat, wollte ich von Anfang an nicht fressen. Da Ronja so etwas auch nicht bekommt, war es für Frauchen ein Leichtes, mir leckeres Fleisch mit doofem Gemüse zu geben. Fleisch ist mein Gemüse, aber Frauchen ist immer beleidigt, wenn ich ihre mühsam zubereitete Gemüsematsch nicht anrühe.
Mit Ronja habe ich mich von Anfang an gut verstanden. Ok, ich gebe zu, dass ich sie oft nerve, weil ich spielen oder kuscheln will. Da kann die Gute schon mal zickig werden, aber meistens braucht sie ziemlich lange, bis ihr mal der Kragen platzt. Das weiß ich natürlich, hihi! Ich ziehe ihr am Schwanz, beiße ihr in die Beine und springe ihr an die Kehle - grrrr...ich bin ein Kampfhund!
Frauchen liebt es, mit mir Übungen zu machen. Sie hat von Anfang an verschiedene Sachen mit mir geübt. Erst "Sitz" und "Platz", dann "Bleib", "Schau", "Fuß", die Obedience Grundstellung und verschiedene Tricks, so z.B. das obligatorische Pfötchengeben, "Turn" und "Rolle". Frauchen ist ganz hingerissen, wie intelligent ich bin und wie gerne ich arbeite. So ganz unter uns: ohne Bezahlung würde ich das natürlich niieee tun, aber sie hat immer Fleischwurst oder Käse für mich. Dafür tue ich fast alles!
Welpenstunde
In der Welpenspielstunde war ich von Anfang an die Streberin. Ich konnte schon vieles und ließ mich auch gut abrufen. Ich kam dann gleich in eine höhere Gruppe zu etwas älteren Welpen. Ich soll wohl ganz schön frech sein. Na klar bin ich das! Ich bin schließlich ein Dackel!!! Frauchen und Herrchen gehen mit mir aber auch in eine Erziehungs- und Unterordnungsgruppe. Diese unterrichtet die gleiche Trainerin, die Frauchen und Ronja auch im Agility und Obedience trainiert. In dieser Gruppe sind wir nur drei Hunde und die anderen beiden sind beide viiiel größer als ich und älter. Aber ich mache mich angeblich trotzdem sehr gut beim Training. Es wird Fußlaufen trainiert, die Aufmerksamkeit geschult, unter Ablenkungen Übungen durchgeführt und Alltagssachen geschult. Vor Silvester wurden wir z.B. zunächst ganz sanft auf die bevorstehende Knallerei vorbereitet. Das war für uns alle natürlich kein Problem.
Mein erstes Silvester
Auch ohne die Vorbereitung auf die Knallerei hätte ich natürlich keine Angst gehabt. Ich bin schließlich ein echter Jagdhund und Schüsse machen mir nichts aus. Ich gehe auch ohne mit der Wimper zu zucken an einem Presslufthammer vorbei. Am Silvestertag haben wir noch einen schönen Spaziergang gemacht und abends sind wir zu Frauchens Eltern aufs Dorf gefahren. Da gab es für uns Hunde tolle Knabbereien und wir wurden mit Streicheleinheiten verwöhnt. Ich schaffe es mit kleinen Streichen immer, die Aufmerksamkeit auf mich zu lenken. Ein bisschen hier etwas ankabbern, ein bisschen da herumnagen und schon werde ich beachtet. Dabei tut mein Zahnfleisch doch so weh, weil ich gerade in den Zahnwechsel gekommen bin *aua* Um Mitternacht ist Herrchen mit mir vor die Tür gegangen und ich habe von seinem Arm aus interessiert die tollen Raketen beobachtet. Was hätte ich DIE gerne gejagt! So schnell und so bunt und sie machen so witzige Pfeifgeräusche. In der Nacht bin ich totmüde ins Bett gefallen und habe von bunten Kaninchen geträumt, die ich dann endlich jagen durfte.
Hundesport
Seit Dezember 2009 (da war ich gerade mal 3 Monate alt!) machen Frauchen und ich Obedience auf dem Hundeplatz. Da ich alle Übungen mit dem Clicker beigebracht kriege und dabei immer Wurst- oder Käsehäppchen bekomme, mache ich natürlich gerne mit und tue alles, was Frauchen verlangt (naja, zumindest fast). Das Bild rechts ist im Januar 2010 aufgenommen worden - konnte ich in diesem zarten Alter nicht schon toll Fußlaufen???
Wir machen nicht nur normales Obedience, sondern auch RallyObedience, was in Deutschland noch fast gar nicht bekannt ist. Man durchläuft einen Parcours mit Schildern, auf denen Übungen stehen. Im März 2010 sind wir bei unserem ersten Turnier in der Klasse 1 gestartet. Es lief alles hervorragend, bis mein dusseliges Frauchen ein Schild übersehen hat. Dadurch sind wir disqualifiziert worden. Schönen dank auch Frauchen! Hier könnt Ihr ein Video von diesem Turnier ansehen.
Am 06.08.2011 habe ich erfolgreich die Begleithundeprüfung 1 & 3 im DTK Hildesheim bestanden. Sogar mit höchstmöglicher Punktzahl. Frauchen war sehr stolz auf ihren "Superdackel". Außerdem trainieren wir nun fleißig für die erschwerte Begleithundeprüfung und den Wassertest. Im Januar fängt Frauchen mit dem Vorbereitungslehrgang für die Jägerprüfung an. Danach soll dann meine jagdliche Grundausbildung beginnen. Ich bin jetzt schon ganz aufgeregt!!!

